Ein Dorf im Wittgensteiner Land

Die alte Wallfahrtskirche

WallfahrtskircheDie alte Wallfahrtskirche liegt auf einem schmalen Bergsporn, der nach West, Nord und Süd abfällt, auf der höchsten Stelle im alten Ortskern. Sie wurde bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut. Es handelt sich um eine zweischiffige und zweichörige Kirche. Der heute isoliert von der Kirche stehende Kirchturm schloß ehemals an den Kernbau an und dürfte im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts entstanden sein.

Bis zur Reformation war die Girkhäuser Kirche eine bedeutende Wallfahrtskirche. Ein päpstlicher Ablassbrief aus Avignon im Jahre 1325 leitete vermutlich eine stürmische Entwicklung der Wallfahrerei ein und bescherte dem Ort einen bedeutenden Wohlstand. Der Marienborn, eine geheiligte Quelle und ein wundertätiges Marienbild waren die besonderen Anziehungspunkte.Die Erhaltung des Kirchturms hat den Girkhäusern schon immer große Sorgen bereitet.

In den Jahren 1822 – 1823 wurde das innere Gebälk und der Glockenstuhl erneuert. 1872 wurde das Dach neu errichtet und in der Zeit von 1899 bis 1901 waren recht umfangreiche Reparaturarbeiten fällig. In dem 1824 gefertigten Stuhl hängt die größte und zugleich älteste Glocke “ Ave Maria ”. Sie dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen.

Die Glocken im Kirchturm dienten in erster Linie dem Ruf zum Gottesdienst und zur Besinnung, zum Schulgang und zum Feierabend. Sie stellten aber auch die einzige Möglichkeit dar, das gesamte Dorf bei Feuer relativ schnell zu alarmieren. Es war schon beschwerlich, in kürzester Zeit zu Fuß, u.U. noch bei Dunkelheit, zum Teil über Leitern die Glocken zu erreichen.

Das “ Kleppen ” bei Feuer unterlag einem bestimmten Ritus. Dadurch wurde ein mehr als schauriger Effekt erzielt. Alarm-Glocke war die große Glocke ( Ave Maria ). Zurerst wurde der Glockenklöppel dreimal angeschlagen, dann mehrmals schnell hintereinander. Das ganze wurde dreimal wiederholt.

Zu der Kirche gehörte auch ein Pfarrhaus. Nachdem immer wieder beträchtliche Mittel in das alte Gebäude investiert werden mußten, entschloß man sich für einen Neubau. Im Jahre 1928 wurde deshalb das alte Pfarrhaus abgerissen und ein neues errichtet. Damit verschwand nicht nur ein schönes altes Fachwerkhaus aus dem Ortsbild, sondern es wurden mit größter Wahrscheinlichkeit auch sehr vielealte und vielleicht geschichtlich wertvolle Unterlagen vernichtet. Zeitzeugen wissen zu berichten, daß “etliche” junge Männer drei Tage brauchten, um die vielen Papiere vom Dachboden zu verbrennen.